Fortbildung: Alte Bundeshauptstadt und Beethoven 01.-05.11.2025

Tag 1 / 01.11.2025     Vorprogramm Regierungsbunker Ahrweiler

Bereits einen Tag vor Beginn der Fortbildung reisen einige Kollegen in die Alte Bundeshaupstadt Bonn und nehmen an einer Führung im Regierungsbunker Ahrweiler teil. Mitten im idyllischen Ahrtal, ca 25 km südlich von Bonn, versteckt sich unter den Weinbergen abseits aller Verkehrswege ein riesiger Atomschutzbunker aus der Zeit des Kalten Krieges. Seinerzeit war es das geheimste und teuerste Bauwerk in der Geschichte der Bundesrepublik. Im Ernstfall sollte von hieraus die Handlungsfähigkeit des Staates gesichert werden.

       

Der Besucher gelangt durch gewaltige, verschließbare MAN Tore, nebst Umgehungsschleusen und Dekontaminationsräumen ins Innere. Dort machen Wohn- , Schlaf-, Arbeits- und Funktionsräume das Leben im Bunker erlebbar. Fotos und authentische Versatzstücke aus der Bunkerausstattung lassen erahnen, was sich hier im Ernstfall hätte abspielen können. 1997 beschließt die damalige Bundesregierung, den Bunker aufzugeben, da kein ziviles Nutzungskonzept für die Anlage gefunden werden konnte. Von der insgesamt 17,3 km grossen Bunkeranlage sind seit 2008 noch 203 m als Dokumentationsstätte Regierungsbunker zu besichtigen. Bei einer interessanten und kurzweiligen Führung erhalten wir einen anschaulichen Einblick in das ehemalige Staatsgeheimnis Nr.1.

Zurückversetzt in die Zeit der nuklearen Aufrüstung und Spione, der NATO-Pläne und Szenarien für den 3. Weltkrieg, werden wir auch immer wieder auf Parallelen zur gegenwärtigen politischen Situation hingewiesen. Schnell ist klar, dass die damalige Problematik heute aktueller ist denn je.

Text und Bildnachweis: Harald Jung

Tag 2 – 5 / 02.-05.11.25     Mitgliedertreffen und Fortbildung in Bonn

Das Treffen fand in diesem Jahr 2025 vom 2.- 5. November in Bonn statt. Zum Start unserer Stadtrundgänge sind wir schließlich 20 Personen. Der Sonntag steht im Zeichen der Stadterkundung mit zwei Spaziergängen durch Bonn, geleitet und fachkundig geführt von unserem Mitglied Marina Zucca.

Um die Mittagszeit beginnen wir mit einer Besichtigung des alten Friedhofs, erfahren dabei schon einiges über die 2000-jährige Stadtgeschichte. Wir besuchen u.a. das Grab der Mutter  Beethovens und steigen dabei schon ein wenig ein in ein Thema unserer Fortbildung: Bonn als Beethoven Stadt. Bonn ist außerdem eine der ältesten Städte Deutschlands, war ein bedeutender römischer Militärstützpunkt entlang des berühmten Limes, der Grenze zwischen Römischen Reich und Germanien, der entlang des Rheins verlief.

 

Eine immense Bedeutung hat dann 1818 die Gründung der Universität, die Bonn von einer barocken Residenzstadt der Kölner Kurfürsten in einen modernen Bildungsstandort verwandelte. Damit kommen einige bedeutende Gelehrte in die Stadt und sie ist Alma Mater für berühmte Studenten wie Karl Marx, Heinrich Heine, Friedrich Nietzsche und Konrad Adenauer, um nur einige zu nennen.

Weiter geht es zum Münsterplatz, auf dem ein großes Denkmal Ludwig van Beethovens steht. Zur Einweihung dieses Denkmals im August 1845 kommen ganz überraschend Queen Victoria und König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. Schnell muss man einen geeigneten Platz finden für sie, und so stehen sie schließlich bei der Enthüllung auf dem Balkon der heutigen Hauptpost, damals das „Fürstenberg Stadtpalais“. Funfact: Beethoven dreht ihnen den Rücken zu.

Das Bonner Münster, fast 1000 Jahre alt, entsteht aus Vorgängerbauten und in verschiedenen Bauphasen vom 11. bis zum 13. Jahrhundert. Auch von innen ein sehr beeindruckendes Gotteshaus, besonders der angeschlossene Kreuzgang gehört zu den wichtigsten mittelalterlichen Baudenkmälern Bonns. Interessant: Kaiser Wilhelm II., der in an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn studiert hatte, ist von der Architektur des Bonner Münsters so angetan, dass er später maßgeblichen Einfluss auf die Bauarbeiten der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin nimmt und sie in Anlehnung an das Bonner Münster erbauen ließ.

Vor dem Münster bestaunen wir die Granitköpfe von Cassius und Florentius, zwei römischen Soldaten, die hier ihr Leben bei einer Christenverfolgung verloren und seither in Bonn als Märtyrer verehrt werden, deren Reliquien im Münster aufbewahrt sind.

Die Brauhaus-Tour am Abend führt uns mit einem Zwischenstopp im Brauhaus Bönnsch, wo wir uns mit einem kleinen Glas “Bönnsch” stärken, zum Gasthaus “Em Höttsche”. Dieses liegt direkt neben dem historischen Alten Rathaus, auch „Gute Stube“ genannt. Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz und dient repräsentativen Zwecken. Zu Zeiten Bonns als Bundeshauptpstadt wird es oft zum Empfangsort vieler Persönlichkeiten aus aller Welt, wie z.B. dem französische Staatspräsident Charles de Gaulle, US-Präsident J.F. Kennedy und dem sowjetische Staats- und Parteichef Michael Gorbatschow.

 

Erwähnenswert ist auch das Erinnerungsmal Bücherverbrennung direkt davor auf dem Bonner Marktplatz im Bereich der Rathaustreppe. 60 Bronzebücher sind in das Pflaster eingelassen und fungieren als „Lese-Zeichen“. Sie erinnern an den 10. Mai 1933. An diesem Tag fanden in zahlreichen deutschen Städten  Bücherverbrennungen statt,  bei denen tausende als „undeutsch“ eingestufte Bücher von den Nationalsozialisten verbrannt wurden.

Der Montag widmet sich dem Thema: die Stadt Bonn und ihre Geschichte als ehemalige Bundeshauptstadt und der Frage, wie es nach dem Umzug der Regierung 1999/2000 nach Berlin weitergeht.

Bonn ist nach dem Zweiten Weltkrieg ab 1949 zuerst provisorischer Regierungssitz, danach Bundeshauptstadt. Nach der Wiedervereinigung wird Berlin Bundeshauptstadt und Bonn bleibt Sitz zahlreicher Bundesministerien und -behörden und nennt sich jetzt Bundesstadt. Seit 1951 ist die Stadt in Deutschland auch Standort der Vereinten Nationen UN und vieler ihrer Unterorganisationen; wie z.B. der UNESCO -“United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization”-, die schon 1945 gegründet wird.

In der Deutschen UNESCO Kommission hören wir am Vormittag einen Vortrag zum Thema: Vom Antrag bis zur Urkunde, wie wird man UNESCO Weltkultur Erbe? Referentin war Carolin Kolhoff, Leiterin des Fachbereichs Welterbe. Für uns als ReiseleiterInnen sind das wichtige Informationen, die man auf den Touren in unterschiedlicher Weise unseren Gästen vermitteln kann.

Ein wirklich gutes Mittagessen gibt es dann in der Kantine der Deutschen Welle. Bei einem Verdauungsspaziergang auf dem „Weg der Demokratie“ entlang ehemaliger Regierungsgebäude und hinunter zum Rhein hören wir weitere interessante Geschichten: Die beiden Daxunternehmen DHL und Deutsche Telekom bleiben nach dem Umzug in Bonn, ins Auge fiel uns der hohe DHL-Tower. Wieder ein Funfact: der Tower (offizieller Name: Post Tower), die Konzernzentrale der DHL Group (ehemals Deutsche Post DHL) ist ein markantes Wahrzeichen der Stadt und 5 Meter höher als der Kölner Dom (auch UNESCO-Weltkulturerbe). Das ist natürlich den Kölnern ein Dorn im Auge!

Last not least haben wir dann noch eine Führung und ein Konzert im Geburtshaus Beethovens.

Am Dienstag fahren wir mit einem Reisebus ins Ahrtal, eine Fahrt an einem wunderschönen, sonnigen Tag durch die herbstliche Landschaft. Um so kontrastreicher sind dann die Beschreibungen der Flutkatastrophe im Tal.

 

Unser Guide Magnus Wagner ist selbst betroffen und ist bis heute Helfer. Er schildert, oft drastisch, was damals geschah. Besonders bleiben mir die zwanzig TeilnehmerInnen eines Jugendlagers in Erinnerung, die man „tot aus den Bäumen pflückte“ und die in keiner Statistik auftauchen. Der heutige Umgang mit diesen Tagen steht jedoch jetzt unter einem ganz anderen Motto: Es geht um die Transformation des Tourismus in der Ahr-Region, um Wiederaufbau und Zurückgewinnung dieser wunderschönen Landschaft als Erholungsgebiet. Aber auch als Wohngebiet für junge Familien, möglich durch neue moderne Arbeitsbedingen, wie z.B. Homeoffice. Denn auch hier und ganz besonders nach der Flut fragen sich viele, wie kann man neu anfangen, Stichwort: Generationenwechsel. Zu diesem Thema treffen wir die Tourismus-Managerin in Altenahr und den Ortsvorsteher in Kreuzberg, die uns interessante Einblicke in ihre Arbeit gaben.

Danach folgt eine Fahrt durch das Gebiet, wo wir noch weitere Schilderungen und Eindrücke bekommen, auch anhand der Häuser, an denen man noch gut erkennen kann, wie hoch das Wasser damals stand.

Zum Abschluss des Tages besuchen wir das Arp Museum. Es ist untergebracht in einem Neubau des amerikanischen Architekten Richard Meier am Hang oberhalb des klassizistischen Bahnhofsgebäudes Rolandseck. Es gibt dort wechselnde Ausstellungen, im Zentrum aber steht die Kunst von Hans Arp und von Sophie Taeuber-Arp. Unsere Kollegin Marina Zucca gibt uns eindrucksvolle Einblicke in die Zeit und das Werk der beiden Künstler, sowohl Mitbegründer des Dadaismus als einer künstlerischen Bewegung und als auch Antwort auf den Ersten Weltkrieg.

Am Mittwoch schließlich, dem Tag unserer Abreise, haben wir am Vormittag noch eine interessante Einführung und  Fragerunde zum Thema: „Die rechtliche Beziehung zwischen Studienreiseleiter, Gast und Veranstalter/Agentur“. Dankenswerterweise springt Roswitha Schlesinger als Referentin für den verhinderten Martin Brunsmann ein. Es folgt eine rege Diskussion, viele Fragen werden gestellt. Das Fazit: zu gegebener Zeit und vielleicht auch in anderer Form sollte die Auseinandersetzung mit dieser Thematik fortgesetzt werden.

Text und Bildnachweis: Gabriele Kolsch