Verband
1. Auch dieses Jahr besuchte ich einen ganzen Tag die Stuttgarter Urlaubs-Messe CMT (Caravan Motor Touristik). Ich habe bewusst den Caravan- und Motorbereich ausgelassen, um mehr Zeit für Golfreisen und Kreuzfahrten zu haben.
Partnerländer waren dieses Jahr Malaysia und Kroatien.
Die Kriterien für Verteilung der Aussteller bleiben weiterhin ein Rätsel; nicht nur für mich, sondern für alle Besucher, die ich befragt habe! So befand sich Kroatien mit Nepal, Israel und einigen südwestdeutschen regionalen Reiseveranstaltern in derselben Halle. Malaysia wiederum war in einer Halle zu finden, in der sowohl die Mongolei (immerhin auch ein asiatisches Land!) als auch Südafrika vertreten waren.
2. Ein neuer Trend, dem übereinstimmend hohe Wachstumschancen eingeräumt werden, sind die sogenannten E-Bike-Touren, auf deutsch „Fahrradreisen mit dem Elektrorad“, auch „Pedelec“ genannt. Beim Pedelec unterstützt der Elektromotor den Fahrer beim Treten der Pedale.
Insbesondere „die Zielgruppe 50 plus weiß das schätzen“ (Pressemitteilung des ADFC, Allgem. Deutscher Fahrradclub).
So gut wie alle deutschen Urlaubsregionen haben E-Bike-Touren im Angebot.
Selbst in Malaysia bietet man E-Bike-Reisen an, obwohl die Radwege-Infrastruktur noch sehr zu wünschen lässt!
3. „Kulturreisen“ waren diesmal an vier Tagen auf relativ kleiner Fläche in einer Halle präsent. Neben einigen sächsischen Regionen waren nur die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und einige baden-württembergische Museen präsent. Andere „Kulturanbieter“ suchte man vergebens.
4. An den letzten vier Tagen ist traditionsgemäß eine Halle ausschließlich den Golfreisen und Kreuzfahrten vorbehalten. Dieses Jahr nahmen die Golfreisen den weitaus größeren Teil der Halle ein (über 2/3 der Hallenflächen). Kaum ein Veranstalter hat ausschließlich Golfreisen im Angebot, sie werden im allgemeinen mit einem Wellnessurlaub kombiniert und heißen dementsprechend „Golf- und Wellnessreisen“.
Verständlicherweise wollten alle Besucher wissen, ob es nach dem Costa Concordia-Unglück vor Giglio einen Rückgang bei den Kreuzfahrten gebe. Ich selbst habe mehrere Veranstalter befragt. Übereinstimmend wurde gesagt, dass es zu keinen Stornierungen bzw. keinen Buchungsrückgängen gekommen sei. Die Interessenten hätten allerdings verstärkt und gezielt nach der Ausbildung des Personals und der Sicherheit auf den Schiffen gefragt. Nach meiner Meinung müssen die Veranstalter bzw. Reedereien hierbei transparenter werden und über die Ausbildung ihres Personals umfassender aufklären, denn immer weniger Kreuzfahrttouristen sind bereit, sich für „dumm verkaufen zu lassen“.
Die Reederei Costa hatte ursprünglich zwei Stände auf der Messe gemietet: einen relativ großen in Halle 8 für die gesamte Messezeit sowie einen kleinen in Halle 9 für die vier Golf- und Kreuzfahrtreisentage. Beide Stände wurden unmittelbar nach der Katastrophe komplett aufgegeben. Lediglich ein kleiner Zettel mit dem Text „Aus gegebenen Anlass ist unser Stand z. Zt. nicht besetzt“ hing am Stand.
5. 1958 Aussteller aus 95 Ländern waren vertreten, gegen Ende nur 1957, denn Costa hatte die Messe ja vorzeitig verlassen!
Laut Pressebericht war die Messe mit ca. 220 000 Besuchern etwas schwächer besucht als im Vorjahr (240 000). Einen leichten Rückgang meldeten die Wohnwagenhersteller, die von einer Sättigung des deutschen Marktes sprechen.
Wenn auch etwas weniger Besucher kamen, so lässt sich doch eine zunehmende „Internationalisierung“ eindeutig feststellen. Mittlerweile kommen Besuchergruppen in Bussen aus Ostfrankreich und der Schweiz.
6. Fazit: Trotz des Unglücks vor Giglio „boomt“ der Kreuzfahrttourismus und „Pedelecs“ sind im Kommen. Vielleicht ist das ein Hinweis darauf, dass der (die) eine oder andere Kollege(in) sich mal wieder auf das Fahrrad schwingen sollte, um fit für die kommende Saison zu sein!
Eine schöne, havarielose Saison wünscht
- Autor: Peter Weinert -